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12/09/16


Welche Arbeitskräfte sucht Luxemburg?


LuxemburgBis zum letzten Jahr war ein Unternehmen aus der Schwerindustrie, ArcelorMittal, der größte private Arbeitgeber Luxemburgs. Diese Situation hat sich 2016 geändert, seither verfügt die staatliche Post über die meisten Angestellten. Des Weiteren haben Unternehmen aus dem Bereich des Einzelhandels, der Dienstleistungen sowie der Finanzindustrie viele Arbeitnehmer.

Laut Zahlen des Statistikamtes Statec zählte Luxemburg am Anfang des Jahres 2016 saisonbereinigt 387.836 Beschäftigte. Der Wirtschaftsbereich, der die meisten Personen beschäftigt, ist der Horeca- und Transportsektor. Insgesamt arbeiten fast 90.000 Personen oder 23,1 Prozent der Beschäftigten in diesem Bereich. Danach erst kommt der Staat, bei dem 20,3 Prozent der Beschäftigten untergekommen sind. Im Finanzbereich (11 Prozent) arbeiten in etwa so viele Leute wie auf dem Bau (10 Prozent). Die Industrie liegt rund 9 Prozent vor dem ICT-Sektor mit 4,6 Prozent, der stärker wächst als die Industriebetriebe.
Die Landwirtschaft spielt im Arbeitsmarkt Luxemburg fast keine Rolle mehr.

Bis zum Beginn der industriellen Revolution war der luxemburgische Arbeitsmarkt jedoch vom ersten Sektor, der Landwirtschaft, geprägt. Die Einwohner arbeiteten auf dem Feld, andere Jobs gab es kaum. Die Armut hierzulande hatte zur Folge, dass viele Luxemburger auswanderten, vor allem nach Amerika, um dort Arbeit zu finden. Danach änderte sich diese Situation.

Im Laufe der Zeit wuchs die Bedeutung des zweiten Sektors, dem der Industrie. Mit dem Erstarken der Stahlindustrie nahm auch das Angebot an Arbeitsstellen in diesem Bereich zu. Aus dem Agrarstaat wurde eine Industrienation. Arbeitskräfte wurden damals händeringend gesucht. Die armen Bauern, meistens aus dem Norden des Landes, zog es nicht mehr in die Ferne, um Arbeit zu finden, sondern in den Süden Luxemburgs. Doch dieses Arbeitskräftereservoir war rasch erschöpft, es gab mehr Arbeit in Luxemburg, als es Arbeiter gab. Aus dem Auswanderungsland wurde ein Einwanderungsland.

Die erste Einwanderungswelle kam von jenseits der Mosel, aus dem Deutschen Reich. Zahlreiche Ingenieure und Fachkräfte, aber auch einfache Arbeiter wanderten ein, um die Arbeit zu verrichten. Danach kamen die Italiener, dann die Portugiesen. Die Immigranten arbeiteten in der Industrie, die Luxemburger kamen entweder beim Staat oder in der Privatwirtschaft unter. Nach der Stahlkrise der 1970er verschwanden viele Arbeitsstellen im zweiten Sektor, die Arbeitslosigkeit wuchs. Luxemburg schaffte daraufhin den Wandel zu einem starken dritten Sektor, der nun einstellte. Der Finanzplatz Luxemburg brauchte viele Arbeiter, die Wirtschaft brummte.

Nach der großen Krise der Jahre 2007-2008 sah es danach aus, als wenn auch die Zeit des dritten Sektors bald Geschichte sein könnte. Als es den Banken schlecht ging, verloren auch einige Bankangestellte krisenbedingt ihre Arbeitsstellen. Doch zu einer Job-Krise, vergleichbar mit der nach der Stahlkrise, ist es nicht gekommen. Da den Banken die Schuld an der Wirtschaftskrise zugeschoben wurde, wurden neue Regulierungen ins Leben gerufen. Die Finanzinstitute werden strenger kontrolliert und müssen sich an neue Gesetze halten.
Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass die Banken in Luxemburg momentan wieder nach kompetenten Leuten suchen, die sich mit den neuen Gesetzen auskennen.

Die meisten freien Arbeitsplätze in Luxemburg stellen Betriebe aus dem Rechnungs- und Finanzwesen aus. Steuerspezialisten, im Finanzbereich spezialisierte Anwälte und ähnliche Profile stehen hoch im Kurs. Aber auch klassische Finanzdienstleister stellen in jüngster Vergangenheit wieder vermehrt ein. Hinzu kommt der Sektor der Vermögensverwalter, der ebenfalls händeringend nach qualifiziertem Personal sucht – zumeist Menschen mit juristischen Kenntnissen.

Für viele dieser Berufe aber sind sehr hohe und spezifische Qualifikationen gefragt. Seit der Stahlkrise werden immer weniger Geringqualifizierte gesucht. Auf dem Arbeitsmarkt gibt es zwischen dem Angebot und der Nachfrage eine große Lücke. Falsche Qualifikationen führen dazu, dass es neben Arbeitslosen parallel auch offene Stellen gibt, die nicht besetzt werden. Dies führt dazu, dass es für Personen ohne Diplom immer schwieriger wird, Arbeit zu finden.

Dies muss aber nicht immer so bleiben. Da sich Luxemburg auf die Fahnen geschrieben hat, in Zukunft das Logistikzentrum Europas zu werden, könnten in diesem Bereich viele Stellen frei werden. Lagerarbeiter, aber auch Lkw-Fahrer werden wohl in Zukunft gesucht. Da hierzu auch Personen ohne Universitätsabschluss gebraucht werden, könnten zukünftig auch Geringqualifizierte neue Arbeitsverhältnisse aufnehmen. Verschiedene Schulen in Luxemburg bieten bereits spezialisierte Kurse für angehende Logistiker an.

Auch der Bereich Umwelt verspricht in Zukunft, mehr Leute zu benötigen. Experten wie
z.B. Klimatechniker oder Umweltberater haben gute Chancen, eingestellt zu werden. Das Großherzogtum hat sich verpflichtet, in den kommenden Jahren massiv CO₂ einzusparen. Die Technik, die dies ermöglicht, muss aber verbaut werden, dazu braucht es Leute vom Fach. Momentan fehlt es noch an kompetenten Leuten, die diese Arbeit verrichten können. „Grüne Berufe“ sind also solche mit Zukunft.

Das klassische Berufsfeld, das eine goldene Zukunft vor sich hat, ist dabei immer noch die Informatik. Die einheimische Finanzindustrie will auf den Fintech-Zug aufspringen. Banken stellen also Fachpersonal ein, das diese Techniken herstellen und programmieren kann. Daneben werden jedoch auch klassische Informatiker, Webdesigner, Programmierer und allgemeine IT-Fachleute – von allen Sektoren - gesucht.



 
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